Klassiker im modernen Clip-Format
Eine erfolgreiche Entstaubung von Goethe, Schiller & Co. hatte die Theater-AG am Städtischen Gymnasium versprochen. Unter dem Titel „Lasst uns ein Schauspiel geben" präsentierten zehn junge Akteure einen Querschnitt der Werke der Sturm und Drang-Größen Goethe und Schiller. Neben ihnen steht als Außenseiter der junge Heinrich von Kleist, Lessing tritt als -ein wenig geschichtlich verrückt- junger Nachwuchsmann mit ihnen in Wettstreit. Lena Brinkmann gibt den Schiller, Justus Maier übernimmt -als Ältester und Extrovertiertester des Ensembles treffend besetzt- die Rolle Goethes, Vanessa Pohl überrascht mit einer pointierten Darstellung der Emotionalität Kleists. Alle drei suchen in einem Casting die besten Darsteller ihrer Stücke, vor allem aber nach Selbstbestätigung. Die Theater-AG, die ein dreiviertel Jahr selbst um die Auswahl der Stücke, um Rollen gekämpft hat, lebt dieses Casting und belebt die alten Stücke. Mal klassisch wie die Amazonen Penthesilea und Prothoe im Dialog über die Herlden des trojanischen Krieges, mal witzig, wie Lina Kaspari als Maria Stuart, die immer umfällt, wenn es brenzlig wird. In der heutigen Zeit landet Lessings Minna von Barnhelm: Sichtlich Freude bereitet Christin Meyer als Franziska und Lena Brinkmann als Minna trotz altertümlicher Texte das Frauengespräch um Liebe, indem es immer wieder zum Rollentausch zwischen Fräulein und Kammerzofe kommt. Zwar endet das Casting mit dem Tod Kleists tragisch, doch das erstaunte Publikum spendet großen Applaus. Die Show war kurzweilig, die nur wenigen Zuschauer am Abend des WM-Halbfinales fügten sich in den Rahmen der selbstsüchtig nach Erfolg suchenden Autoren. Übrig blieb die Schwierigkeit, mit meist nur zwei jungen Schauspielern die Bühne zu füllen. Auch diese Hürde umspielte das Ensemble von Theaterpädagogin Claudia Bieber geschickt: Der furiose Auftritt der Showtanztruppe „mirror" des TSC Flair als tanzende Heerscharen in Schillers Jungfrau von Orleans belebte die Aufführung passend zur Pause und fügte sich nahtlos ein in das Videoclip-Format der Klassiker-Höhepunkte.


