Launige Unterhaltung und ein großes Epos
Claudia Mamczak und Enzo Kloß heißen die Sieger des 3. Poetry Slams, zu dem die Schulbibliotheken der Gütersloher Stadtbibliothek am letzten in die Mediothek des Städtischen Gymnasiums eingeladen hatten. Fünf Nachwuchsautorinnen und ein Autor stellten sich den gespannten 35 Zuhörern, die über ihren Applaus die Favoriten kürten.
Bevor jedoch die spannende Wahl der Sieger anstand, lösten alle jungen Autoren eine Teamaufgabe und texteten ein Geburtstagsständchen für die Deutschlehrerin und Mediotheksbeauftragte des Städtischen Gymnasiums, Frau Klinke, das dann von Besuchern und Autoren im Chor zur Freude Beglückwünschten vorgetragen wurde. Um einiges schwieriger war die Auswahl der Sieger, denn schon die Palette der unterschiedlichen Genres machte es der „Jury" dabei alles andere als einfach.
Katharina Sommer brach als erste das Eis, umreimte elegant einen „Verehrten Träumer" und bewies, dass beim Slammen auch ein unbeabsichtigter Versprecher und ein damit korrespondierender Textinhalt („...und war äh... ganz...verstört") die Vortragswirkung noch verstärken kann. Die schiere Quantität des Opus Magnum der jungen Autorin, das sie für den Poetry-Slam schon von 290 auf 70 Strophen zusammengestrichen hatte, verschlug der staunenden Zuhörerschaft die Sprache und bannte zudem alle Zuhörer mit einem Faible für das Gothisch-Dämonische.
Vorvorjahressiegerin Claudia Mamczak, die zu den Routiniers des Lesewettstreits gehört und die ihren seit Anbeginn formvollendeten Versgebilden nun noch die Kunst der Pointe hinzugefügt hat, setzte den Reigen fort. Sie ließ ihre Zuhörer geradezu körperlich spüren, wie sich ihr sabbernd ein unerwünschter, ekliger Liebhaber nähert, und buchstäblich bis zum allerletzten Wort im Unklaren darüber, dass es sich bei dem stinkenden Widerling doch nur um den geliebten Schoßhund handelt.
Geschickt setzte Enzo Kloß das poetry-slam-übliche Stilmittel der launigen Anmoderation eigener Texte ein und widerlegte die böse mephistotelische Stimme, die ihm einflüsterte, er sei nicht dazu geboren zu dichten, in der Form eines performativen Selbstwiderspruchs umgehend mit seinem Gedicht just darüber.
Aileen Warnken, die der Schülerschaft sicher aus der Seele sprach, indem sie minutiös den versklavenden Terminkalender pisagepisackter Schüler protokolliert und ironisch die Tyrannei der Freizeitlosigkeit anprangert- meistert ihren Schulalltag zur Freude nicht nur aller Leidensgenossen dennoch so gut, dass ihr noch Zeit zur literarischen Veredelung des nämlichen bleibt.
Als Jüngste wagte sich Carlotta Markötter ans Mikrophon mit ihrem frappierenden Prosa-Debüt „Das Piercing"- eine Mutter-Tochter-Tragödie, die besticht durch den Umstand, wie stringent die äußere Erzählsituation, immer wieder unterbrochen durch Passagen innerer Rede, durchgehalten wird. Auch das durchgängige Motiv der Verdoppelung machte großen Effekt auf das Auditorium.
Lara Vivian Prizebilla beeindruckte insbesondere mit der sehr gezielt eingesetzten rhetorischen Figur der Wiederholung, die mal hypnotisierend, mal musikalisch rhythmisierend ihre mal angriffslustig politische, mal anrührend und ergreifend Engelswesen umschreibende Lyrik untermalte.
Salomonisch kam es beim Schlussapplausvotum zur Verschwisterung beider Gymnasien, denn Enzo Kloß vom ESG und Claudia Mamczak von Städtischen Gymnasium erzielten jeweils so einen frenetischen Applaus, dass weder Moderator Oliver Demand noch die Schiedsrichterinnen der Mediothek einen Autor zurücksetzen wollten.
Was ursprünglich als Veranstaltung zum 10jährigen Mediotheksjubiläum im Oktober 2008 begann, ging jetzt bereits in die 3. Runde. Und wieder führte Oliver Demand als Slam-Master in bewährt lockerer Art und mit viel Sachverstand durch den Abend. Als Fazit bleibt festzuhalten: Dies wird nicht der letzte Poetry Slam in Gütersloh bleiben!


