Die lebendige Bibliothek
Biographien und Erlebnisse aus Russland, Afrika, Palästina, aus früheren Zeiten und wenig bekannten Orten in Gütersloh standen im Mittelpunkt der „lebendigen Bibliothek" am Freitag am Städtischen Gymnasium Gütersloh. Zum Welttag des Buches hatten die Deutschlehrer Hildegunde Klinke und Raphael Wamhof Menschen an die Schule eingeladen, die eine Geschichte zu erzählen hatten.
Schon beim Vorgespräch der Erzähler mit Schulleiter Dr. Siegfried Bethlehem verging die Zeit wie im Fluge, als Oskar Gomer die Geschichte seiner Familie von der Auswanderung aus Schwaben an die Wolga im Jahr 1766 bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland 1992 schilderte. Detailgenaue historische Fakten, verknüpft mit persönlichen Erlebnissen machten den Reiz der biographischen Erzählungen aus. Aus einer fernen Welt berichtete auch Eva Meinerts, die als Schulleiterin in Afrika praktische Entwicklungshilfe geleistet und viel Lebenserfahrung gesammelt hat.
Politischen Anschauungsunterricht gab Nasser Kaspari der Klasse 11a mit seiner Lebensgeschichte als Christ unter Palästinensern und als Palästinenser in Deutschland. So konnten die Schüler einen Gütersloher kennenlernen, dem aus welchem Grund auch immer schon 1980 von US-Behörden als Sicherheitsproblem ein Visum für die USA verweigert wurde. In vielen Exkursen machte er die Schüler mit den geographischen Gegebenheiten im Nahen Osten, den untereinander zersplitterten Bevölkerungs- und Religionsgruppen vertraut, erklärte an Beispielen das Dilemma der Palästinenser: Die Flüchtlinge können nicht in den christlich geprägten Libanon, sie als Moslems die Bevölkerungsstruktur des Landes umwälzen würden, sie könnten ohne Gesichtsverlust in der arabischen Welt nicht ihre Ansprüche auf Jerusalem aufgeben. So informiert entwickelte sich aus dem Vortrag immer mehr eine Diskussion mit den Schülern, die sich von dem Gast die persönlichen Konsequenzen der Politik berichten ließen.
Diese Lebendigkeit, die kein Hörbuch mit noch so gutem Bonusmaterial bieten kann, passte schließlich auch zur Intention des bundesweiten Vorlesetages der Stiftung Lesen und der Wochenzeitung DIE ZEIT. Wie andere Klassen, die durch das Vorlesen für Geschichten begeistert wurden, sollten die Hörer der lebendigen Bibliothek Interesse an Erzählungen und Berichten bekommen. „Und dann ist es ein Gewinn, wenn die Schüler zum Lesen motiviert werden, sei es in der Zeitung wie durch den Vortrag von Herrn Kaspari, oder sei es in den Büchern, die Gäste wie der Autor lokaler Geschichtspublikationen, Dr. Gatzen, mitgebracht hatten", fasste der am Ende der Aktion zufriedene Mitorganisator Raphael Wamhof das Ziel der Veranstaltung zusammen.
Wir lesen gern - Ein Projekt der Klasse 6b
Dass Lesen nicht nur einmal im Jahr spannend ist, weiß eigentlich jeder. Aber das richtige Buch zu finden, ist angesichts der großen Auswahl oft schwer. Also hat sich Klasse 6b mit ihrer Deutschlehrerin zusammengesetzt , tolle Bücher ausgewählt und Lieblingsbücher präsentiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ein ganze Klassenwand voller Empfehlungen toller Jugendbücher mit Bildern, Informationen zu den Autoren, Leseproben und Inhaltsangaben. Und um noch mehr über die Bücher zu erfahren, wird jede Woche eine Stunde vorgelesen.

